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LEO und PIAAC: Welche Zahlen sich für die Grundbildung verwenden lassen

LEO und PIAAC: Welche Zahlen sich für die Grundbildung verwenden lassen

Seit Jahren informiert die Grundbildung mit einer Zahl aus der LEO-Studie:

Rund 6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland haben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. In der Ankündigung des neuen AlphaBündnisses greift die Kultusministerkonferenz nun Ergebnisse der PIAAC-Studie auf. Dort ist von rund jedem fünften Erwachsenen mit geringen Grundkompetenzen die Rede. Für die Öffentlichkeitsarbeit stellt sich damit die Frage, wie sich diese Angaben einordnen und künftig verwenden lassen.

Die Pressemitteilung der Kultusministerkonferenz vom 16. Oktober 2026 kündigt die weitere Zusammenarbeit von Bund und Ländern für Alphabetisierung und Grundbildung an: Nach dem Ende der AlphaDekade beginnt im Januar 2027 das AlphaBündnis, das bis 2035 angelegt ist. Die Mitteilung bezieht sich auf PIAAC 2023. Die LEO-Studie wird nicht genannt.

Daraus folgt jedoch nicht, dass die bisher verwendete LEO-Zahl abgelöst wird. Die beiden Studien untersuchen unterschiedliche Fähigkeiten und bewerten sie nach verschiedenen Maßstäben. Ihre Ergebnisse bleiben deshalb für unterschiedliche Aussagen relevant.

Der Name dürfte einigen bereits bekannt vorkommen: In Berlin engagieren sich seit Jahren die bezirklichen Alpha-Bündnisse für Alphabetisierung und Grundbildung. Dort arbeiten Einrichtungen und Menschen vor Ort zusammen. Das neue bundesweite AlphaBündnis bezeichnet dagegen die Zusammenarbeit von Bund und Ländern für die Jahre 2027 bis 2035.

LEO: Was die Zahl von 6,2 Millionen beschreibt

Die LEO-Studie 2018 der Universität Hamburg untersuchte die Lese- und Schreibfähigkeiten Deutsch sprechender Erwachsener zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland. Dazu gehören auch Menschen, deren Erstsprache nicht Deutsch ist.

Nach der Studie haben 12,1 Prozent dieser Erwachsenen große Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Hochgerechnet sind das rund 6,2 Millionen Menschen. Je nach Fähigkeiten können Menschen beispielsweise einzelne Wörter oder einfache Sätze lesen und schreiben, haben aber Schwierigkeiten mit zusammenhängenden Texten. Lesen und Schreiben können dabei unterschiedlich gut gelingen.

LEO unterscheidet diese grundlegenden Fähigkeiten anhand sogenannter Alpha-Levels. Die Zahl von 6,2 Millionen umfasst die Alpha-Levels 1 bis 3. Die Ergebnisse wurden im Mai 2019 veröffentlicht und beruhen auf Daten aus dem Jahr 2018.

PIAAC: Was hinter dem einen Fünftel steckt

Die jüngere Studie PIAAC 2023 untersucht Erwachsene zwischen 16 und 65 Jahren. Sie wird unter Leitung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD, international durchgeführt. Ihre Ergebnisse wurden im Dezember 2024 veröffentlicht.

PIAAC erfasst, wie gut Erwachsene schriftliche Informationen verstehen und nutzen, mit mathematischen Anforderungen im Alltag umgehen und Probleme unter veränderten Bedingungen lösen können. In Deutschland verfügt nach dieser Studie rund ein Fünftel der Erwachsenen über geringe Lesekompetenzen. Diese Menschen erreichen im Lesetest die Kompetenzstufe 1 oder liegen darunter. Eine typische Aufgabe auf Stufe 1 besteht etwa darin, eine ausdrücklich genannte Information in einem kurzen Text zu finden.

Auch bei Alltagsmathematik und Problemlösen liegen die Anteile mit geringen Kompetenzen jeweils bei ungefähr einem Fünftel. Es handelt sich dabei um getrennte Ergebnisse. Aus ihnen folgt nicht, dass dieselben Menschen in allen drei Bereichen Schwierigkeiten haben.

Warum die Zahlen keinen Anstieg belegen

Die rund 20 Prozent aus PIAAC können zunächst wie eine Zunahme gegenüber den 12,1 Prozent aus LEO wirken. Ein solcher Vergleich wäre jedoch nicht aussagekräftig. Die Studien verwenden unterschiedliche Aufgaben, untersuchen nicht genau dieselben Bevölkerungsgruppen und ziehen die Grenzen für geringe Fähigkeiten unterschiedlich. Die Alpha-Levels 1 bis 3 bei LEO entsprechen daher nicht einfach der Kompetenzstufe 1 und darunter bei PIAAC.

Aus den beiden Zahlen lässt sich keine Entwicklung der Lese- und Schreibfähigkeiten ableiten. Sie sollten weder als Anstieg dargestellt noch addiert werden.

Lesen und Schreiben sind unterschiedliche Fähigkeiten

Ein wesentlicher Unterschied betrifft außerdem die Fähigkeit zu Schreiben. LEO berücksichtigt sowohl Lesen als auch Schreiben. Der PIAAC-Lesetest untersucht dagegen das Verstehen und Nutzen von Texten, nicht die Fähigkeit, selbst Texte zu verfassen.

Im Alltag hängen diese Fähigkeiten häufig zusammen. Eine Person versteht beispielsweise die Nachricht einer Beratungsstelle, hat aber Schwierigkeiten, ihr Anliegen in einer Antwort aufzuschreiben. Ein Lesetest allein zeigt deshalb nicht, welche Unterstützung sie beim Schreiben benötigt.

Für die öffentliche Kommunikation ist diese Unterscheidung wichtig. Die Aussage „Jede fünfte Person hat Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben“ lässt sich aus dem PIAAC-Lesetest nicht ableiten. Ebenso wenig bedeutet geringe Lesekompetenz, dass jemand überhaupt nicht lesen kann.

Welche Zahl zu welcher Aussage passt

Wer über Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben informiert, kann sich weiterhin auf LEO 2018 beziehen. Dabei sollte deutlich werden, dass die Zahl aus der Erhebung von 2018 stammt.

Eine mögliche Formulierung für Websites, Pressemitteilungen oder Informationsmaterialien lautet:

Nach der LEO-Studie 2018 haben rund 6,2 Millionen Deutsch sprechende Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Das entspricht 12,1 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe.

Für Aussagen zur Lesekompetenz liefern die jüngeren PIAAC-Ergebnisse eine weitere Grundlage:

Nach PIAAC 2023 verfügt rund ein Fünftel der Erwachsenen zwischen 16 und 65 Jahren in Deutschland über geringe Lesekompetenzen. Die Fähigkeit, selbst Texte zu schreiben, wurde im Lesetest nicht untersucht.

Beide Ergebnisse können auch gemeinsam in einem Beitrag stehen. Dann sollte kurz erklärt werden, dass PIAAC die Zahl der LEO-Studie nicht aktualisiert, sondern Lesekompetenz nach einem anderen Maßstab erfasst. Auch die Universität Hamburg weist bei ihrer ergänzenden Auswertung der PIAAC-Daten darauf hin, dass diese eine LEO-Studie nicht ersetzen kann.

Tipps für bestehende Texte und Materialien

Für bestehende Texte bedeutet das: Die Zahl von 6,2 Millionen muss nicht pauschal ausgetauscht werden. Entscheidend ist, welche Aussage sie belegen soll. Quelle, Erhebungsjahr und untersuchte Bevölkerungsgruppe sollten erkennbar bleiben. Wo es um neuere Erkenntnisse zur Lesekompetenz geht, lässt sich PIAAC ergänzen.

Für die Verwendung der Zahlen hilft es, ihren Bezug im Blick zu behalten: Sie beschreiben bestimmte Fähigkeiten, nicht den gesamten Grundbildungsbedarf. Für Aussagen über Berlin oder einzelne Bezirke wären ergänzende regionale Daten nötig. In kurzen Beiträgen empfiehlt es sich, die jeweilige Zahl mit einer knappen Einordnung zu verbinden und für weitere Informationen auf die Studie oder einen ausführlicheren Text zu verlinken.

Quellen und weiterführende Informationen

„Sich engagieren“ heißt, sich für etwas einsetzen. Zum Beispiel für ein Thema, dass einen besonders interessiert. In einem Verein oder als Ehrenamtler:in.

Literalität bedeutet:
Du kannst gut lesen und schreiben.
Du kannst mit geschriebenen Worten umgehen.
Das ist wichtig für das Leben in der Gesellschaft.
Die Gesellschaft hat Regeln.
Zum Beispiel: Wie man schreibt.
Und was man beim Schreiben beachten muss.
Du kannst diese Regeln gut verstehen und anwenden.

Gering literalisierte Menschen können das nicht so gut.

Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung 2016–2026. Mit der AlphaDekade setzen sich Bund, Länder und Partner verstärkt dafür ein, die Grundbildung in Deutschland zu verbessern. Dies geschieht über Lernangebote, Öffentlichkeitsarbeit, Forschung, den Ausbau von Unterstützungsstrukturen und weitere Professionalisierung von Lehrenden und Beratenden.

Technische Akademie für berufliche Bildung Schwäbisch Gmünd e.V.

Die TA organisiert Fort- und Weiterbildungskurse vor allem im gewerblich-technischen und kaufmännischen Bereich.

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